In vielen älteren Häusern und Wohnungen verrichten Elektroinstallationen seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst. Licht, Steckdosen und Geräte funktionieren scheinbar problemlos – doch genau darin liegt oft das Risiko: Viele technische Mängel bleiben im Alltag lange unbemerkt. Was äusserlich noch funktioniert, kann sicherheitstechnisch bereits kritisch sein.
Besonders ältere Installationen mit sogenannter Nullung Schema III, gealterte Kabel oder versteckte Schadstoffe wie Asbest stellen heute ein relevantes Sicherheits- und Gesundheitsrisiko dar. Gerade bei Umbauten, Renovationen oder Eigentümerwechseln lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die bestehende Elektroanlage.
In älteren Gebäuden sind teilweise noch Installationen nach dem früher üblichen „Nullung Schema III“ vorhanden. Diese Technik galt damals als zulässig, entspricht jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen an die elektrische Sicherheit.
Das Problem: Bereits ein einzelner Fehler kann gefährliche Situationen auslösen. Zudem sind moderne Schutzmassnahmen wie Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) bei solchen Anlagen oft nur eingeschränkt oder mit grossem Aufwand realisierbar. Dadurch steigt unter anderem auch das Risiko für Stromschläge oder elektrische Brände.
Zwar kann für ältere, ursprünglich korrekt erstellte Anlagen unter bestimmten Voraussetzungen ein sogenannter Bestandesschutz gelten. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Installation dauerhaft sicher bleibt. Insbesondere bei Umbauten oder grösseren Sanierungen müssen ältere Anlagen häufig an die heutigen technischen Standards angepasst werden.
Ein weiteres häufig unterschätztes Thema ist die Alterung von Kabeln und Leitungen. Über viele Jahre wirken verschiedene Einflüsse auf die Isolation ein:
Diese Faktoren beschleunigen den natürlichen Alterungsprozess der Materialien. Besonders eindrücklich: Bereits eine um 10 Prozent höhere Betriebstemperatur kann die Lebensdauer einer Leitung halbieren.
Mit zunehmendem Alter können sich Kabelmaterialien zersetzen. Dabei treten teilweise sogenannte Weichmacher aus – im Alltag oft als «grüne Sauce» bekannt. Solche Austritte können auf problematische Inhaltsstoffe hinweisen, darunter Phthalate, Bleiverbindungen oder bei sehr alten Installationen sogar PCB-haltige Stoffe.
Die Folgen können vielfältig sein:
Auch gesundheitliche Risiken sind möglich – etwa durch Hautkontakt, Staub oder verschmutzte Hände bei Arbeiten an solchen Installationen.
Speziell ältere Leitungen aus der Zeit vor 1972 verdienen besondere Aufmerksamkeit. Diese sogenannten faserstoffisolierten Leitungen befinden sich heute oft am Ende ihrer Lebensdauer.
Neben der nachlassenden mechanischen Stabilität kann auch der Schutz gegen direktes Berühren nicht mehr gewährleistet sein. Zusätzlich besteht das Risiko von Schadstoffen in den verwendeten Materialien. Auch die früher verwendeten Aderfarben entsprechen häufig nicht mehr den heutigen Normen, was bei Arbeiten an der Anlage zu gefährlichen Verwechslungen führen kann.
Darum gilt: Nicht nur die Funktion einer Installation ist entscheidend – sondern vor allem ihre sichere Betriebstauglichkeit.
Viele Menschen verbinden Asbest hauptsächlich mit Fassaden oder Dächern. Weniger bekannt ist, dass asbesthaltige Materialien auch in Elektroinstallationen vorkommen können – insbesondere in älteren Gebäuden.
Für die Elektrobranche relevant sind beispielsweise:
Die gesundheitlichen Folgen einer Asbestbelastung sind gravierend. Asbestfasern können schwere Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs oder Mesotheliom verursachen. Besonders kritisch: Die Krankheiten treten oft erst Jahrzehnte später auf – die Latenzzeit liegt häufig zwischen 15 und 50 Jahren.
Wie hoch die Belastung sein kann, zeigen Messungen bei Demontagearbeiten: Beim trockenen Entfernen von Leuchten mit asbesthaltiger Brandschutzunterlage wurden Werte von über 158’000 lungengängigen Asbestfasern pro Kubikmeter Luft gemessen – deutlich über dem geltenden Arbeitsplatzgrenzwert von 10’000 Fasern.
Deshalb gilt bei Gebäuden mit Baujahr vor 1990: Vor Bohr-, Öffnungs- oder Demontagearbeiten sollte immer geprüft werden, ob asbesthaltige Materialien vorhanden sind. Dies erfolgt beispielsweise über Gebäudediagnostik, Materialproben und geeignete Schutzmassnahmen.
Alte Elektroinstallationen sollten nie nur danach beurteilt werden, ob im Alltag scheinbar alles funktioniert. Entscheidend ist, ob die Anlage auch heute noch sicher betrieben werden kann.
Wer in älteren Gebäuden wohnt oder Umbauten plant, sollte mögliche Risiken frühzeitig erkennen lassen. Eine professionelle Zustandsbeurteilung hilft dabei:
Eine frühzeitige Abklärung und eine klare Sanierungsstrategie schaffen Sicherheit – für das Zuhause und für alle, die darin leben.