24. Feb 2026
Die Schweiz steht vor einer grundlegenden energiepolitischen Herausforderung: Zum ersten Mal hat der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) den VSE Stromversorgungs-Index Schweiz 2026 veröffentlicht – ein Frühwarnsystem, das zeigt, wie gut die Schweiz ihre gesetzlich definierten Ziele zur Stromversorgung langfristig erreichen kann.
Der Index bewertet den erwarteten Versorgungsgrad anhand von fünf zentralen Indikatoren, darunter die Stromnachfrage, erneuerbare Energien, Flexibilität, zusätzliche Produktion und Netzkapazität. Dabei liegt der Zielwert für eine sichere Versorgung bei 100 Punkten – abgeleitet aus dem Zielbild für das Jahr 2050, basierend auf Energie- und Klimastrategie sowie dem Stromgesetz.
Die prognostizierten Werte des Stromversorgungs-Index fallen deutlich hinter den Zielwert zurück:
Das bedeutet, dass die Schweiz – insbesondere im kritischen Winterhalbjahr – ihre gesetzlich vorgeschriebenen Versorgungsziele deutlich verfehlen könnte. Das hat weitreichende Konsequenzen für die nationale Energieplanung, da gerade im Winter die stärksten Engpässe zu erwarten sind, wenn sowohl Verbrauch als auch Bedarf an verlässlicher Stromproduktion hoch sind.
In der Medienmitteilung betont der VSE-Präsident, dass sofortiges Handeln nötig ist, um diese drohende Versorgungslücke zu schliessen und die langfristige Sicherheit der Stromversorgung zu gewährleisten.
Die Studie misst die zukünftige Versorgung anhand von fünf wesentlichen Bereichen:
Durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Digitalisierung steigt die Nachfrage bis 2050 stark an. Effizienzsteigerungen und intelligente Laststeuerung sind notwendig, um den Bedarf beherrschbar zu machen.
Der Ausbau stockt, insbesondere bei der Winterstromproduktion. Vor allem Wasserkraftprojekte sind massiv verzögert. Der Fokus allein auf PV-Anlagen reicht nicht aus.
Speicherlösungen und saisonale Speicherung (z. B. Speicherseen) sind wichtig, bleiben aber bis 2050 deutlicher unter Zielniveau. Lösungen für neue Wasserkraftwerke müssen gefunden werden. Alternativ sind steuerbare thermische Kraftwerke erforderlich.
Nach heutigen Prognosen wird zusätzlicher Strom – etwa durch Windenergie, Gaskraftwerke oder verlängerte Kernkraftbetrieb – nötig sein, um Defizite im Winter abzufedern. Ab dem Jahr 2045 braucht es im Winter rund 50 Prozent zusätzliche Stromproduktion.
Eine moderne und ausgebaute Netz-Infrastruktur ist essenziell – sowohl für den Transport von erneuerbarem Strom als auch für den Import/Export mit Nachbarländern.
Ohne massiv beschleunigten Ausbau von Effizienz, Produktion und Netzen erreichen wir die Energie- und Klimaziele nicht.
Da die Versorgung insbesondere im Winter kritisch ist, braucht es mehr Winterproduktion aus erneuerbaren Energien sowie den Ausbau des Netzes und ein Stromabkommen.
Der VSE Stromversorgungs-Index Schweiz zeigt die Dringlichkeit deutlich: Er ist bei 82 Punkte im Jahr 2035 und 69 Punkte im Jahr 2050. Die Versorgungslücke im Jahr 2050 könnte geschlossen werden durch weniger Stromverbrauch zu Spitzenzeiten, mehr erneuerbare Energien, den Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke, Flexibilität wie Speicher, zusätzliche Stromproduktion z.B. aus Gaskraftwerken und den Ausbau der Netze. Der Ausblick auf die Versorgungssicherheit der Schweiz bleibt kritisch.
Der VSE Stromversorgungs-Index zeigt klar: Die Schweiz steht vor grossen Herausforderungen.
Ausführlicher Bericht zur Studie: https://www.strom.ch/de/energiezukunft-2050/index
Übersicht der Ergebnisse: https://www.strom.ch/de/energiezukunft-2050/resultate
Quelle Bildmaterial: https://www.strom.ch/de/energiezukunft-2050/index
(mit freundlicher Genehmigung des VSE)